Talk: Selbstinszenierung

 Das Internet. Wir kennen es, wir lieben es und wir bewegen uns täglich darin. Doch manchmal kann das liebe World Wide Web auch furchtbar nerven. Eine Sache, die mich regelmäßig zur Weißglut treibt, ist die Sache mit der Selbstinszenierung.

Sind wir mal ehrlich, das Internet ist eine hervorragende Plattform, um sich selbst darzustellen. Auf Facebook setzen wir ein neues Selfie von uns als Profilbild, auf dem wir ein fettes Grinsen im Gesicht haben. Man, sehen wir glücklich aus. Anschließend posten wir auf Instagram unser hyper-gesundes Frühstück, schließlich ist Fitness schwer im Trend, und den wollen wir ja nicht verpassen, wenn wir schon dabei sind, sollten wir auch gleich mal twittern, dass wir noch joggen gehen. Der Blogeintrag heute handelt um unser perfektes Leben,unser perfekter Freund ist auch so lieb, ihn auf Google + zu teilen und auch an sich ist alles einfach nur super. Und dann klappen wir den Laptop zu und verkriechen uns ins Bett, wir wollen einfach niemanden mehr sehen, der Tag war einfach so beschissen.

Und genau das nervt mich zu Tode. Stellt euch vor, ihr wart einmal mit einem Mädchen befreundet. Richtig nett, bodenständig, total hilfsbereit, aber auch ein bisschen unsicher. Es ist wirklich schade, dass der Kontakt abgeflacht ist, ihr hattet echt eine gute Zeit. Nur weil der Kontakt nicht mehr da ist, heißt das aber natürlich nicht, dass ihr nicht mehr auf Facebook befreundet seid. Seit Neustem fängt sie nun an, auf Facebook dauernd Bilder mit ihrem Freund zu posten, und wenn es kein Bild ist, dann eine ewig lange Liebeserklärung. ‚Ihr seid so süß‚, hat da jemand als Kommentar darunter geschrieben. Jemand, der sie nur einmal gesehen hat. Aber das Mädchen, nennen wir sie mal Sarah, ist begeistert, dass jemand so begeistert von ihrem Freund ist. Dass er sie teilweise wie Dreck behandelt und sie nicht im Geringsten mit ihm reden kann ist ihr auf einmal gar nicht mehr so wichtig. Je beschissener es läuft, desto mehr beginnt sie zu posten. Über ihr gemeinsames Lieblingslied, alte Bilder, einen Liebesschwur, sie wird immer kreativer. Irgendwann haben sich die Leute aber satt gesehen an ihrer perfekten Beziehung, die Kommentare lassen nach, manche reagieren sogar etwas genevt. Auch ihre Freundinnen wenden sich langsam von ihr ab, weil sie nur noch ihren Typen im Kopf hat und man einfach nicht mehr mit ihr reden kann. Sie geht immer seltener mit ihren Mädels weg und deswegen ist dieser Samstag gerade eine echte Ausnahme. Eine Ausnahme über die man natürlich berichten muss. Also wird schnell ein Foto auf Twitter gepostet, von ihrem leckeren Cocktail, damit auch jeder sehen kann, wie viel Spaß sie hat. Dass sie ihren damaligen Freundinnen eigentlich nichts mehr zu sagen hat kann man auf den Fotos ja nicht sehen. Mit ihren Freundinnen läuft es nicht gut, ihr Freund geht mittlerweile auch viel lieber feiern und mittlerweile verbringt sie beinahe jeden Abend damit, auf Tumblr herum zu surfen und sich Bilder anzusehen. Darüber, wie einsam sie ist.

Was ich damit verdeutlichen will? Den gewaltigen Unterschied zwischen der Darstellung im Internet und der Realität. Im Internet kannst du nämlich sein wie du willst. Du kannst wahnsinnig selbstbewusst auftreten, auch wenn du mit krassen Selbstzweifeln zu kämpfen hast. Du kannst dich als Modeexpertin betiteln und dabei eigentlich nur das anziehen, was Mama dir rauslegt. Oder, um nicht zu sehr zu übertreiben, einfach die neusten Trends herausfinden und umsetzen, ob es nun zu dir passt, oder nicht. Vielleicht ist diese Beziehung aber gar nicht so perfekt? Oder dieses Lächeln, vielleicht ist es einfach nur gut einstudiert. Manche Freunde erlebst du im Internet und erkennst sie nicht wieder, sie sind dir vollkommen fremd.

Es nervt mich einfach, dass wir dauernd meinen, wir müssten besonders individuell sein. Wir müssen die glücklichsten, hübschesten, perfektesten Menschen sein, doch wer sind wir eigentlich wirklich? Gerade mit einem Blog gehört Selbstinszenierung leider dazu. Jeder Schritt wird kritisch beobachtet und wir wollen schließlich keine Opfer von Cybermobbing werden, oder gar ein negatives Kommentar erhalten. Und dabei vergessen viele, dass Selbstinszenierug eigentlich nicht bedeutet, sich vollkommen zu verändern, denn eigentlich sollte man so bleiben wie man ist und lernen, wie man sich und seinen Charakter am besten darstellt und präsentiert, ohne sich dabei selbst etwas vor zu machen.

Aber bin ich wirklich besser? Ich weiß es nicht. Ich versuche auf jeden Fall, so authentisch wie möglich zu sein. Ich bin es, Jubie, die unordentlich ist, chaotisch, die ziemlich oft miese Tage hat und psychisch auch nicht ganz gesund ist. Ich habe nicht den best-bestücktesten Kleiderschrank der Bloggerwelt, ich kann nicht die schönsten Looks allerzeiten schminken. Manchmal habe ich zu hohe Erwartungen an mich, manchmal auch an Andere.

Ich bin vieles, aber perfekt sicher nicht. Wer bist du?

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26 Comments

  • Reply
    neontrauma
    27. Juni 2014 at 13:31

    Naja… von dem, was jemand im Internet von sich preisgibt, kann und darf man halt nicht auf den ganzen Menschen schließen. Ich finde es nicht schlimm, wenn jemand nur die positiven Seiten zeigt. Ein potentieller Arbeitgeber kann schließlich lieber über ein glückliches Selfie von vor drei Jahren stolpern als über Beiträge voller Selbstzweifel, und wenn es mir nicht gut geht, muss das auch nicht jeder wildfremde Mensch erfahren, der mein Blog liest. So etwas ist mir zu privat, das geht einfach nicht jeden etwas an.
    Klar, dadurch kann der Eindruck, dass jemand ein scheinbar perfektes Leben führt oder vollkommen oberflächlich ist. Aber, wie gesagt, man darf einfach nicht von einem Blog oder einem facebook-Profil auf den ganzen Menschen schließen. Was man da sieht, ist nur ein Bruchteil.

    • Reply
      akitojya.
      27. Juni 2014 at 13:47

      Kann das nur so unterschreiben. Natürlich postet man nur „schöne“ Dinge, die schlimmen muss man selber bestreiten und das muss ich nicht im World Wide Web öffentlich posten. Ich zumindest nicht. Das geht nämlich niemanden außer mich etwas an.
      Bin ich deshalb nicht authentisch? Diese Behauptung finde ich echt ein wenig zu weit gegriffen. (:

      J.

    • Reply
      Julia Kaya
      27. Juni 2014 at 13:53

      Ich verstehe vollkommen, was ihr sagen möchtet! Ich glaube, ich konnte nicht so ganz ausdrücken, was ich sagen wollte.
      Danke für eure Meinungen, ich antworte euch auf euren Blogs :)

  • Reply
    Gabriella George
    27. Juni 2014 at 13:31

    sweet! follow for follow? xx

    http://vogue-berry.blogspot.com

  • Reply
    Anonymous
    27. Juni 2014 at 14:03

    Da ist vielleicht etwas wahres dran an dem was du schreibst, allerdings finde ich es fragwürdig, alles über einen Kamm zu scheren. Zudem frage ich mich, warum man negative Inhalte teilen soll? Warum sollte ich Menschen an den schlechten Dingen meines Lebens teilhaben lassen, diese würden sich doch nur mehr und mehr an schlechten Ereignissen etc. erfreuen. Und das ist so, wenn wir ehrlich sind. Zu viele erfreuen sich an dem Schlechten, was anderen Leuten widerfährt. Und wenn es diesen sog. „Freunden“ nicht gefällt, was man in Facebook, Google+ etc. überall postet, dann ist man immer noch frei genug diese ach so feste Freundschaft zu lösen.

    Persönlich muss ich sagen, dass einige Aussagen in deinem Post, mögen sie auch etwas überspitzt sein, doch sehr kritisch zu beurteilen sind. Wird man neuerdings jetzt verurteilt wenn man schöne Dinge postet?

    • Reply
      Julia Kaya
      27. Juni 2014 at 14:07

      Danke für deine Meinung!
      Ich muss dir Recht geben, in meinem Post kommt das sehr hart rüber und eigentlich wollte ich das damit auch nicht sagen. Vielleicht sollte ich etwas an meiner Ausdrucksweise arbeiten. Was ich damit eigentlich sagen wollte ist, dass ich es schade finde, dass sich manche Menschen verbiegen, nur um im Internet als perfekt da zu stehen.

      Ich wollte keinesfalls alles über einen Kamm scheren, sondern nur ein paar Gedanken äußern. Ich glaube aber, dass es mir nicht gelungen ist, das auszudrücken, was ich sagen wollte. Schade. Ich hoffe, du verstehst etwas besser, was ich sagen wollte. Ich verurteile natürlich niemanden, der Schönes postet!
      Danke auf jeden Fall für deine Meinung und deine Kritik! :)

  • Reply
    inbetweenblush
    27. Juni 2014 at 14:46

    Ich versteh was du sagen wolltest. Jeder versucht sich im Internet so darzustellen als ob er ein perfektes Leben habe . das scheint ein Trend zu sein. Das Problem ist auch nicht das die Menschen das tun , sondern das Problem ist eben das sich mancher Bestätigung im Leben nur aus diesem Schein im Internet holt. Viele werden wahrscheinlich auch denken das die jetzt ein perfektes Leben haben müssen und eifern diesen Trend eben nach und vergessen dabei ganz das (meiner Meinung nach) Perfektion nur Illusion ist. Man kann finde ich das Beste aus seinem Leben machen aber immer das bestmögliche – was ist schon perfekt? (Perfekt wäre ja dann nur positives aber ohnel negativ gibt’s kein positiv alleine damit könnte man einen ganzen Blogpost füllen )… Dieses Thema ist einfach total schwer in Worte zu fassen und man hat auch das Gefühl man muss es überspitzen damit das gemeinte verstanden wird . Aber beim nächsten Angebot bekommen:)
    Liebst
    Katrin

    • Reply
      inbetweenblush
      27. Juni 2014 at 20:41

      * aber bei mir ist es angekommen

      Sorry für die Fehler , blöde Autokorrektur..

    • Reply
      Julia Kaya
      29. Juni 2014 at 17:10

      Vielen Dank für deine Meinung, ich werde dir auf deinem Blog antworten! :)

  • Reply
    Rica
    27. Juni 2014 at 14:46

    Der Post ist wirklich sehr schön und so wahr! Man verstellt sich im Internet viel zu oft, um das perfekte, glückliche Mädchen vorzuspielen, was man eigentlich nicht einmal ist. Ich finde das eigentlich sehr traurig aber es ist einfach so. Schöner Post! :)
    Liebe Grüße ♥

  • Reply
    Anonymous
    27. Juni 2014 at 15:06

    Wirklich netter Text. Leider sieht man Leute, die im Internet ein ganz anderes Bild von sich zu schaffen versuchen, heutzutage viel zu häufig.

  • Reply
    Zara-Janina S.
    27. Juni 2014 at 15:13

    „Nothing will bring you greater peace than minding your own business.“

    Und damit meine ich, dass wir, statt einen ganzen Artikel über das Leben anderer zu schreiben, uns vielleicht einfach damit beschäftigen sollten, was gut für uns selbst ist.

    • Reply
      Julia Kaya
      29. Juni 2014 at 17:14

      Danke für deine Meinung, ich sehe das allerdings etwas anders und finde nicht, dass das eine das andere ausschließt :)

      Allerliebste Grüße!

  • Reply
    J e n ♥
    27. Juni 2014 at 15:19

    Genau meine Meinung! :D Ich kenne da auch so einige Menschen, wo ich mir denke, sorry ne! Die ich jahrelang kenne, die sich dann aber DURCH das Internet ändern, unzwar so krass, dass sie nur noch materielle Werte kennen. und das nur wegen eines Blogs o.ä., damit eben das Ansehen steigt, echt traurig..

  • Reply
    Fräulein
    27. Juni 2014 at 18:32

    Ein sehr schöner Text mit einem wahren Kern. Über dieses Thema habe ich letzten Winter für eine Vorlesung einen Kommentar geschrieben. Es geht sich darum, dass wir zwar bestens vernetzt, jedoch tendenziell vereinsamen, wenn wir uns im www verlieren. „Hier“ geht es zum Artikel, falls es dich interessiert.

    Viele Grüße!

    • Reply
      Julia Kaya
      29. Juni 2014 at 17:18

      Interessiert mich brennend, ich schaue schnell vorbei :)

      Danke für dein Kommentar!

  • Reply
    Svetlana
    28. Juni 2014 at 13:21

    Wunderschön geschrieben!
    Ich glaube schon alnge nicht mehr alles, was manche Leute von sich selber preisgeben. Jeder hat seinen Rucksack zu schleppen, auch die perfekteste aller Bloggerinnen.
    Manche zeigen dies, manche nicht. Manche verstecken es auch gar nicht und dann gibt es welche, die wollen das dadurch überspielen dass sie sich selber inszenieren :S
    Ich habe zum Beispiel die letzten Tage keine Blogs gelesen oder auf Instagram geliked und es hat mir teilweise sogar gut getan (obwohl cih beides liebe!) denn so musste ich mir die „ach so perfekte“ Welt von den Mädels nciht geben, die vermutlich den ganzen lieben langen tag nix besseres zu tun haben als sich und ihr Leben zu inszenieren :D

    Liebst
    Svetlana von Lavender Star // BlogLovin //
    Instagram // Faceboook

  • Reply
    Hello Black
    28. Juni 2014 at 19:20

    Ich verstehe zwar auch einige Kommentare der Mädels hier, muss aber sagen, dass ich deinen Post nicht zu hart finde, und das es einfach die Wahrheit ist. Und genau deswegen mag ich solche Blogs wie deine und zB Maike’s VIE VIEL VIEL mehr als irgendwelche Top Fashion Blogs mit 6387 Followern, immer perfekten, super professionellen Bildern. Das was du machst ist authentisch, und das gleiche versuche ich auch auf meinem Blog zu tun, in dem ich nicht nur oberflächliche Fashion und Beauty Posts schreibe. Ich mein, klar, es kommt ja immer ganz darauf an, was man selbst lesen will. Wenn man gerade lust hast, high fashion Fotos und Outfits zu sehen, bietet es sich natürlich an, auf die ganz schicken Blogs zu gehen. Aber die Blogger dieser Blogs sollten hinter trotzdem versuchen authentisch zu sein. Vielleicht mal ein Outfiz posten, dass nicht total toll ist und bei dem die Tasche alleine nicht schon 600€ kostet. Vor allem junge Leserinnen bekommen ein total verschobenes Bild von der Realität und denken, dass die Bloggerinnen wirklich so leben, obwohl sie in Wirklichkeit „ganz normal“ rumlaufen wenn sie zur Uni, etc. gehen….

    Ist natürlich ein schwieriges Thema, aber ich finde es fantastisch, dass du es aufgegriffen hast und stimme dir einfach zu.

    Liebste Grüße <3

    • Reply
      Julia Kaya
      29. Juni 2014 at 17:27

      Ich weiß gar nicht, wie ich dir danken soll. Ich antworte dir auf deinem Blog!

      Liebste Grüße :) ♥

  • Reply
    Alexandra
    29. Juni 2014 at 15:13

    Das ist ein ziemlich krasses Thema muss ich sagen und ich denke, wir haben uns alle damit schon mal irgendwie auseinandergesetzt. Natürlich möchte man nicht als traurige Seele im Internet herumgeistern und gerade deswegen, versucht man so viel wie möglich positives zu posten. Egal ob auf dem Blog, oder eben bei Facebook. Ich muss sagen, bei mir gibt es auch mal Tage, die eher bescheidener sind, okay, ich poste es zwar nicht auf meinem Blog, oder auf Facebook, aber ich lasse andere Leute auch daran teilhaben und zwar privat. Ich poste natürlich im Internet nur eben die schönen Dinge, aber deswegen bin ich schon gleich gar nicht perfekt. Ich versuche mich immer ein wenig von all dem anderen abzuheben, denn ich und vor allem mein Blog, sind nicht perfekt. Ich bin einfach die, die in ihrer kleinen Welt lebt und eben die schönen Dinge und eben die Dinge, die ich persönlich gut kann, mit anderen zu teilen. Deswegen zeige ich auch nie irgendein AMU und versuche es als schön zu verkaufen und wie toll es doch ist und überhaupt, denn: ich kann es nicht. Und warum soll ich Dinge zeigen, oder mich als etwas ausgeben, der ich gar nicht bin ? Wahrscheinlich schweife ich nun gerade ziemlich vom Thema ab, aber irgendwie war es mir gerade mal ein Bedürfniss, auch solche Worte hier abzugeben.

    • Reply
      Julia Kaya
      29. Juni 2014 at 17:28

      Klar, deine Meinung dazu war wirklich sehr interessant :)

      Allerliebste Grüße!

  • Reply
    Kamila
    24. August 2015 at 0:20

    Gutes Thema,- super Text! Das Internet ist eine große und perfekte Illusion. Nicht jeder. Natürlich nicht. Aber die größere Menge. Auch ich neige oft dazu, nur das „schönste“ Preiszugeben. Unbewusst, lassen wir uns vom Social Media mitreißen.
    Warum wird im Medienbereich so viel vertuscht und gar nicht erst dargestellt?
    Warum fühlen wir uns gezwungen wie die Menschen vom Plakat auszusehen? Auch hier. Natürlich nicht jeder. Aber viele. Die meisten. Alle, die es sehen.

    Ein super Thema, das jedoch keine richtige Antwort findet. Philosophisch ganz oben.

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