Depressionen sind nicht witzig

Depressionen sind nicht witzig! – DDMRN

Es wird Zeit, für einen neuen Beitrag aus der ‚Dinge Die Mich Richtig Nerven‘ Reihe. Ich bin gerade wahnsinnig inspiriert dazu, denn es kam ein neuer Hashtag auf Twitter auf, mit dem Namen ‚NotJustSad‚. Ich habe ihn mir genauer angesehen und je mehr ich gelesen habe, umso begeisterter, aber auch nachdenklicher wurde ich. Worum es in diesem Hashtag geht und was mich so richtig ankotzt, das erfahrt ihr also heute.

Depressionen sind nicht witzig

Ich bin kein Mensch, der viel über seine Probleme spricht. Viele von euch werden mitbekommen haben, dass ich psychisch nicht gerade gesund bin, dass ich allerdings beschlossen habe, nicht großartig darüber zu reden oder zu schreiben, sondern dieses Thema privat zu halten. Das war bis heute auch eine kluge Entscheidung. Heute allerdings kann ich nicht mehr anders, denn ich bin einerseits gerührt und andererseits richtig genervt von den Reaktionen, die der Hashtag #NotJustSad hervor ruft. Hier berichten Leute in kurzen Tweets über die Erfahrungen mit Depressionen und auch anderen psychischen Krankheiten. Eigentlich eine gute Sache, denn für viele Menschen sind Depressionen immernoch ein Tabu-Thema, da sie noch nie damit in Berührung gekommen sind, und sie deswegen auch nicht so ganz verstehen. Mal davon abgesehen, ist es nicht gerade eine spaßige Angelegenheit, als Betroffener darüber zu reden oder zu schreiben. Also, an sich eine gute Sache. Menschen tauschen sich aus, und stellen fest, dass sie nicht alleine sind. Dass es genug Andere gibt, die ähnlich sind, die teilweise auch mit den selben Problemen zu kämpfen haben. Das macht wirklich Mut! Wenn es da nicht immer ein paar Spezialisten geben würde, die meinen, sie wüssten es besser.

Depressionen gibt es doch gar nicht„, „Du kannst gar nicht krank sein, du wirkst immer so glücklich“ und „Du willst doch bloß Aufmerksamkeit“ – das sind Sätze, mit denen viele Betroffene heutzutage konfrontiert werden, dabei sollte man denken, dass die Gesellschaft schon gut genug aufgeklärt ist. Klar, ich kann es irgendwo verstehen. Wer nicht selbst mit solchen Problemen zu kämpfen hat, der kann es vielleicht einfach nicht nachvollziehen oder stellt es sich einfacher vor, als es ist. Depressionen kann man nicht einfach so mal überwinden. Da hilft es nicht viel, mal in die Sonne zu gehen oder einfach mal zu lachen. Außerdem wird man gerade auf Tumblr von so vielen, depressiven Blogs verfolgt, dass man das Gefühl hat, das ganze wird zur Modekrankheit. Aber ich verrate euch was: Nicht jeder, der etwas depressives postet, hat zwar Depressionen, aber als Außenstehender hat man absolut kein Recht, das zu beurteilen oder zu belächeln. Denn manchmal, da steckt auch eine Krankheit dahinter, und ganz ehrlich:

Depressionen sind nicht witzig.

Glaubt ihr denn, dass die Selbstmordrate so hoch ist, weil manche einfach nicht genug in der Sonne waren? Nein, bei Depressionen handelt es sich um eine Krankheit, die nicht einfach mal schnell geheilt werden kann. Vielleicht kann man sie nicht sehen und es ist deswegen so schwer verständlich für andere, aber nur weil man sie nicht sehen kann heißt es nicht, dass sie nicht existiert. Deswegen finde ich es einfach unfassbar, dass sich Menschen, die nicht davon betroffen sind hinstellen, und meinen, sie wüssten alles besser. Könnt ihr in die Seele eines psychisch kranken Menschens sehen? Habt ihr seine Probleme studiert? Wer gibt euch das Recht, darüber zu urteilen, wer krank ist und wer nicht?

Leute, bitte fangt endlich an, psychische Erkrankungen ernst zu nehmen, denn sie können einen Menschen tatsächlich töten. Es geht hier nicht um mich. Wenn ihr mir Aufmerksamkeitsgeilheit oder Faulheit an den Kopf werfen wollt, nur zu, ich belächle euch höchstens, aber ich komme mit meiner Krankheit mittlerweile auch zurecht. Es gibt aber viele Menschen, die das nicht können. Und genau denen schadet ihr, und zwar schlimmer, als ihr es euch vorstellen könnt. Keiner erwartet von euch, stundenlang mit einem Depressiven zu quatschen oder seine Krankheit zu heilen, aber ist es denn nicht möglich, jemanden nicht gleich auszulachen, wenn er sagt, dass er psychisch krank ist? Dass ihr mal eure Klappen haltet, wenn sich Leute versuchen, zu unterstützen, auch wenn es nur über einen Hashtag auf Twitter ist?

Vielleicht ist das der erste und der letzte Beitrag von mir, den ihr zu diesem Thema lesen werdet, wer weiß. Ich will nicht euer Mitleid, oh Gott, bloß nicht, ich will bloß, dass psychische Erkrankungen endlich kein Tabuthema mehr sind und dass sie endlich etwas mehr in der Gesellschaft toleriert werden, denn wie der Hashtag sagt, Betroffene sind ’nicht nur traurig‘, sie sind ernsthaft krank und brauchen Hilfe. Und ihr helft ihnen nicht, wenn ihr euch darüber lustig macht, welche Jammerlappen sie doch sind, und wie faul und pubertär.

Lasst euch gerne in den Kommentaren aus, ich bin gespannt auf eure Meinung. Aber ich sage es im Vorraus: Sollten blöde, respektlose, unqualifizierte Kommentare kommen, dann werde ich sie dieses Mal löschen. Davon gibt es im World Wide Web nämlich genug.

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15 Comments

  • Reply
    Anna
    11. November 2014 at 20:12

    Respekt! Sehr schön geschrieben Julia, ich geb‘ dir vollkommen Recht! Ich find’s toll dass du solche Themen ansprichst :)

    • Julia
      Reply
      Julia
      11. November 2014 at 20:32

      Danke Anna! Bei solchen Dingen kann ich einfach nicht stillschweigend zuschauen.
      Freut mich, dass dir mein Beitrag dazu gefallen hat! :)

      Liebe Grüße!

  • Reply
    Wakila
    11. November 2014 at 20:30

    Applaus für diesen Beitrag. Ich weiß nicht wie oft ich mich schon mit Leuten über dieses Thema gestritten habe, weil sie es einfach nur ernst nehmen. Man merkt, dass dir das Thema am Herzen liegt, umso mehr Applaus, dass du darüber geschrieben hast und dabei kein Blatt vor den Mund genommen hast. Ich liebe deine Art zu schreiben und vor allem deine absolute Ehrlichkeit.

    Allerliebste Grüße :)

    • Julia
      Reply
      Julia
      11. November 2014 at 20:35

      Vielen, vielen Dank Wakila! Ich habe wirklich lange überlegt, ob ich über so etwas schreiben soll, aber deine Meinung hat mich bestätigt.
      Ehrlich, vielen Dank! :*

  • Reply
    iivorybeauty
    11. November 2014 at 20:38

    Den Hashtag finde ich super, auch wenn ich Hashtag-Aktionen sonst meist nicht so klasse finde. Mich regen diese Möchtegern-Depression-Tumblr auf, die von 12-jährigen sind, die meinen, sie hätten Depressionen, nur weil es ihnen mal nicht gut geht. Du hast alles wirklich toll in Worte gefasst, ich bin beeindruckt! :)
    Liebe Grüße ♥
    http://iivorybeauty.blogspot.de/

  • Reply
    Kristina
    11. November 2014 at 20:41

    Was für ein toller Post. Ich selbst habe schon ziemlich depresive Phasen hinter mir und kann es absolut nicht verstehen dass es Menschen gibt, die behaupten dass es Depressionen nicht gibt. Diese Menschen können sich glücklich schätzen, denn eine Drepression ist keine Grippe die mal eben weg geht.

    Liebe Grüße Kristina von KD Secret
    PS: Mein Blog feiert sein 2-Jähriges und es gibt eine paar tolle Sachen zu gewinnen. Ich würde mich freuen wenn du auf meinem Blog vorbei schaust.

  • Reply
    Christine
    17. November 2014 at 11:00

    Ich glaube das Problem bei diesem Thema ist wirklich, dass es einerseits noch ein tabu ist und andererseits Leute wirklich ein bisschen zu leichtfertig mit dieser Krankheit umgehen. Es ist eine Krankheit und keiner der daran leidet kann sich einfach sagen „stell dich nicht so an, so schlecht geht’s dir eigentlich gar nicht“ und alles ist wieder gut.
    Aber es gibt eben leider auch Menschen, die sich vielleicht auch etwas zu schnell als depressiv bezeichnen und wirklich Aufmerksamkeit mit so einer Aussage haben wollen…

    Das ist definitiv alles ein sehr schwieriges Thema und ich finde, dass keiner der nicht selbst schon mal wirklich Erfahrungen mit einem depressiven Menschen gesammelt hat oder selbst davon betroffen ist, sich ein Urteil über irgendetwas erlauben darf.

  • Reply
    Anja
    21. November 2014 at 1:25

    ich find dieser text sagt eigentlich alles. das größte problem, meines erachtens, ist, dass die meisten leute, wie du so schön sagtest, diese krankheit belächeln und nicht in der lage sind, oder einfach nicht wollen, die betroffenen zu unterstützen bzw. wenigstens zu akzeptieren, dass sie anders sind. ich für meinen teil finde es wirklich nicht hilfreich, wenn die mitmenschen einen nur verspotten oder ignorieren, nur weil man betroffen ist. deshalb finde ich auch diese hashtag-aktion eine gute idee, um den betroffenen zu zeigen: hey ich bin nicht allein…

    • Julia
      Reply
      Julia
      23. November 2014 at 10:36

      Hey Anja,

      freut mich sehr, dass dir mein Text gefallen hat. Ich bin da absolut deiner Meinung, eben dies hat mich dazu veranlasst, etwas dazu zu schreiben, auch wenn es doch etwas privater ist. Manche Menschen haben einfach wahnsinnig damit zu kämpfen, das können Außenstehende oft nicht beurteilen. Ich danke dir sehr für deine Meinung :)

      Liebe Grüße!

  • Reply
    Jules
    24. November 2014 at 20:31

    Ich bin froh, dass das Thema mehr Aufmerksamkeit bekommt, auch wenn es sich dabei nicht immer um positive oder sonderlich schlaue Kommentare handelt. Durch das Erzählen der eigenen Geschichten (sei es durch Tweets oder Blogs), lernen andere die vielen Gesichter der Depression kennen, sehen, dass nicht immer alles dem Klischee entsprechen muss und fangen hoffentlich an, sich auf eine andere Weise damit auseinanderzusetzen. Ich finde es wirklich gut, dass du darüber geschrieben hast, Hut ab!

    • Julia
      Reply
      Julia
      24. November 2014 at 20:35

      Vielen Dank Jules!
      Ich habe wirklich lange darüber nachgedacht, hab es dann aber für richtig gehalten, mal etwas dazu sagen. Es ist schließlich nichts, wofür man sich schämen muss. Vielen lieben Dank für dein Kommentar :)

  • Reply
    kira
    27. November 2014 at 2:48

    danke hierfür. danke.

  • Reply
    Nuriyya
    3. Dezember 2014 at 11:18

    Hallo Julia,

    da komme ich gerade das erste mal auf deinen Blog und schon lese ich so einen guten Artikel! Wirklich klasse :)

    Ich habe selbst in meiner Umgebung viele Menschen mit Psychischen Erkrankungen:
    Depressionen, Borderlining und Schizophrenie. Sie müssen auch jeden Tag mit den ganzen Vorurteilen kämpfen und sich für alles rechtfertigen und entschuldigen.

    Die Gesellschaft tut eben gerne so, als würde sie alles und jeden tollerieren, doch leider sieht es anders aus.

    Mein Vater ist seit ca. 1 1/2 Jahren Schwerstbehindert und auch in dem Fall erkennt man erst, wer wirklich gute Menschen sind. „Schick ihn doch einfach ins Heim, dann habt ihr Ruhe.“ War nur einer der vielen Aussagen, die kamen.

    Über leichte Krankheiten jammern viele gerne, schlimme Krankheiten werden lieber ignoriert. Seit mein Vater krank ist (und auch die Menschen mit psychischen Krankheiten sagen mir das) verschwinden die meißten Menschen und lassen sich plötzlich nicht mehr sehen.

    Die Frage ist, wovor sie angst haben?

    Lieber Gruß
    Nuriyya :)

    • Julia
      Reply
      Julia
      7. Dezember 2014 at 19:17

      Hallo Nuriyya,

      danke für deine Meinung, ich habe mich sehr darüber gefreut! Dass dein Vater behindert ist, ist sicherlich nicht einfach und erfordert eine Menge Kraft, also meinen vollsten Respekt dafür, dass du ihn so pflegst! Solche Aussagen können einen dann ganz schön wütend machen, das glaube ich dir sofort. Ich denke, dass viele einfach nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen und deswegen abhauen. Schade, aber vielleicht wird sich das enes Tages ändern :)

      Liebe Grüße!

  • Reply
    Sil
    1. Juli 2017 at 22:41

    Gut, dass es viele Menschen gibt, die versuchen aufzuklären. Nein, Depression ist nicht lustig. Ich finde es zuerst mal wichtig, die Diagnose nicht aus Internet-Wissen heraus zu vermuten. Für so was gibt’s Fachärzte und Depressionen gehören auch mit Hilfe von Fachleuten behandelt. Ich selbst habe noch niemanden davon erzählt. Es ist immer noch ein Stigma. Aufklärung könnte helfen, aber die Menschen standen schon immer dem, was sie nicht verstehen, eher feindliche gegenüber.

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