Lookismus

Was ist eigentlich Lookismus?

In den USA und Australien scheint der Begriff „Lookism“ oder eingedeutscht „Lookismus“ bereits ein Begriff zu sein, doch in Deutschland ist er weniger bekannt. Und dabei spielt er bei uns nicht unbedingt eine geringere Rolle in der Gesellschaft. Aber was ist eigentlich Lookismus und wie kann man dagegen vorgehen?


Was ist eigentlich Lookismus?

Lookismus bedeutet, dass man aufgrund seines Aussehens diskriminiert wird.

Um es mal ganz simpel auszudrücken. Wir alle kennen dieses Phänomen. In der Schule sind die schönen, stylischen Mitschüler immer die Coolsten, im Job wird man teilweise wegen des Aussehens bevorzugt oder benachteiligt, wenn man zu schön oder zu hässlich ist, wird man nicht ernst genommen. Um es mal ganz hart auszudrücken. Angeblich sollen hübschere Menschen sogar mehr Gehalt bekommen.

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Die gesetzliche Lage

Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

So sagt es Artikel 3 des Grundgesetzes. Wir alle wissen, dass das mal mehr, mal weniger funktioniert, aber hey: Immerhin steht es so im Gesetz. Doch ist es nicht auffällig, das nirgendwo vom Aussehen die Rede ist? Dabei liese sich dieses Wort doch wunderbar in die Liste integrieren. Um das mal kurz auf den Punkt zu bringen. In Deutschland ist laut Gesetz nicht verboten, wegen des Aussehens diskriminiert zu werden. Und das, obwohl dieses Phänomen nicht gerade selten auftritt.

Wann begegnen wir Lookismus im Alltag?

Meiner Ansicht nach – überall. Wenn wir neue Leute kennenlernen, dann kategorisieren wir diese gleich nach der Optik. Wie sieht die Person aus, wie kleidet sie sich? Zack, schon haben wir eine Person nach ihrem Aussehen beurteilt. Das ist teilweise wohl auch evolutionär bedingt und erstmal nicht unbedingt negativ. Doch kennt ihr nicht auch dieses Phänomen „gleich und gleich gesellt sich gerne„? Gerade in der Schule hatte ich oft das Gefühl, dass sich „hübsche“ und „weniger hübsche“ Menschen schnell gruppieren, wobei das natürlich auch subjektiv ist.

Doch nicht nur als Jugendlicher wird man mit Lookismus konfrontiert. Schauen wir uns doch einmal Frauenmagazine an. Überall wird thematisiert, wie Promi XY bei dieser oder jenen Veranstaltung gekleidet war und dies wird dann sofort auf den Charakter projeziert. Gerade bei Stars wird ja gerne nur nach Aussehen beurteilt, vor allem beim Film. Aber gut, das ist eine andere Geschichte, die ich auch nachvollziehen kann. Man sucht eben nach einem glaubwürdigen Protagonisten, der in die Rolle passt. Und wenn man ein Supermodel besetzen möchte, dann sollte besagter Schauspieler auch vielleicht die Optik mitbringen. Irgendwie legitim.

Doch auch im Job werden wir schnell in eine Schublade gesteckt. Beim Bewerbungsgespräch zum Beispiel ist ein seriöses Auftreten ein A und O. Gebügelte Hemden, eventuell sogar hohe Schuhe, gemachte Haare. Wenn man nun nicht ganz die Optik mitbringt, dann läuft man Gefahr, schnell von der Liste gestrichen zu werden, und das obwohl der Job vielleicht nicht unbedingt ein bestimmtes Aussehen verlangt und man bestens – wenn nicht sogar am Besten – qualifiziert ist.

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Wer wird durch Lookismus diskriminiert?

Auch wenn wir alle durch unser Aussehen kategorisiert werden, trifft es doch bestimmte Personen am Meisten. Zum Einen sind es wohl oft Menschen, die durch ganz fabelhafte Gene „gesegnet“ sind. Wir alle kennen die Geschichte von dem Freund, der einfach keinen passenden Partner findet, weil er als „arrogant“ oder „Macho“ abgestempelt wird – nur weil er gut aussieht. Auch viele Frauen werden beispielsweise im Job nicht Ernst genommen, weil sie einfach hübsch sind. Ist das nicht eigenartig?

Doch natürlich haben es auch Menschen schwer, die nicht den Schönheitsidealen entsprechen. Wie oft kommt es vor, dass Frauen und Männer wegen eines bestimmten Körpermerkmals gehänselt und ausgeschlossen werden? Dies kann das Selbstwertgefühl sehr stark mindern und auch zu psychischen Problemen fühlen. Denken wir doch mal an Mobbing, oder beispielsweise Magersucht.

Was können wir gegen Lookismus tun?

Bei meiner Recherche habe ich herausgefunden, dass es zwar Anti-Lookismus Bewegungen gibt, diese allerdings kaum lange bestehen und wenn doch, dann keinen Erfolg haben. Aus einem ganz einfachen Grund: Niemand möchte sich für eine „Bewegung für Hässliche“ einsetzen, um es mal ganz banal zu sagen.

Zudem glaube ich auch, dass Lookismus bereits viel zu sehr in unseren Köpfen verankert ist. Deswegen finde ich es wichtig, sich dies auch bewusst zu machen und das eigene Verhalten zu reflektieren. Möglich wäre es auch, dieses Thema im Freundeskreis zu diskutieren, um andere Meinungen zu erfahren und eventuell auch auf Lookismus hinzuweisen. Zudem wäre eine Verankerung im Grundgesetz meines Erachtens nach sehr wünschenswert.

Weitere Artikel darüber:

Wie steht ihr zum Lookismus? Habt ihr euch bereits wegen eurem Aussehen diskriminiert gefühlt?

Fotos von Valentina!

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5 Comments

  • Reply
    Meg
    13. November 2016 at 18:33

    Interessantes Thema. Tatsächlich wusste ich gar nicht, dass es dafür einen Begriff gibt.
    An der Stelle würde mich interessieren, was für Erfahrungen du in deinem Umfeld damit gemacht hast und wie du oder deine Freunde/Familie damit umgehen, wenn man damit konfrontiert wird oder vielleicht sogar selbst (ob nun bewusst oder unbewusst) jemanden aufgrund seiner Erscheinung beurteilt. Denn wie du schon sagst, der erste Eindruck lässt uns jemanden sofort in eine gewisse Schublade packen und dieses Verhalten hat wohl nahezu jeder. Wir beurteilen ja oft anhand des Aussehens, ob uns eine Person sympathisch vorkommt oder nicht.

  • Reply
    Tabea
    13. November 2016 at 20:22

    Den Begriff Lookismus höre ich hier zum ersten Mal… aber dass hübschere (dünnere) Menschen bessere Jobchancen haben, habe ich dann doch schon mal gehört.
    Insgesamt finde ich es seehr sehr schade, dass so viel vom Aussehen abhängt… aber dass gerade das im Grundgesetz völlig vernachlässigt wird, war mir gar nicht bewusst. Ebensowenig hatte ich all die Alltagssituationen auf dem Schirm, in denen man nahezu unbemerkt nach dem Aussehen beurteilt und sich auch bestimmten Gruppen eher anschließt. Dabei ist das z.B. in der Schule wirklich zu oft so, dass die coolen auch die hübscheren und besser angezogenen sind – die immer eine eher gute Figur haben.

    Mehr über dieses Thema nachzudenken ist sicher ein guter Ansatz! Da teile ich besser direkt mal diesen Post ;)

    Liebe Grüße

  • Reply
    Julia
    14. November 2016 at 15:33

    Auch ich habe von dem Begriff Lookismus bisher noch nicht gehört, obwohl die Thematik an sich ja bekannt ist.
    So spontan würde ich sagen, dass ich auch Erfahrungen gemacht habe, die unter diesen Begriff passen. Ich habe von Natur aus rote Haare, und wurde deswegen früher in der Schule oft ausgegrenzt oder „gemobbt“. Trauriger Weise erzählte mir meine jüngere Schwester, dass es ihr teilweise auch so geht, sogar mit den gleichen doofen Sprüchen, die es bei mir damals schon gab.
    Ich weiß natürlich nicht, ob das wirklich zu Lookismus passt, weil ja die Haarfarbe an sich keinen hässlich macht. Aber ich finde es traurig und erschreckend, wie viele (und was für) Urteile nur aufgrund von Äußerlichkeiten gefällt werden.

  • Reply
    Andrea
    17. November 2016 at 16:34

    Sehr interessantes Thema..den Begriff kannte ich nch nicht. Aus persönlicher Erfahrung kann ich nur sagen dass schon „in meiner Zit“ in den Schulen richtig krass gemobbt wurde und zB auch auf Marken geachtet wurde. Wie das heute ist möchte ich erhlich gesagt gar nicht so genau wissen. aber gemobbt wurde ich echt bis ins Erwachsenenalter und seltener auch heute noch aber mittlerweile lasse ich mir nichts mehr gefallen.

  • Reply
    Body Shaming - Ich habe die Nase voll - juliary
    29. Dezember 2016 at 17:15

    […] aber irgendwie ist dieser Satz bei mir hängen geblieben, wie ich euch schon in meinem Post über Lookismus erzählt […]

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