vegan

Wieso ich es manchmal hasse, vegan zu sein!

Ich bin nun seit circa 5 Monaten vegan und möchte auch nicht mehr zurück. Doch manche Sachen, die machen mich wirklich wahnsinnig und eben diese möchte ich heute mit euch teilen, denn das Leben als Veganer ist natürlich auch nicht so rosig und toll, wie es oftmals dargestellt wird. Ich bin mir aber trotzdem sicher, dass euch meine Punkte überraschen werden..


Wieso ich es manchmal hasse, vegan zu sein!

01. Ich bin faul

Ich bin faul, das ist ein grundsätzliches Problem und hängt nicht unbedingt damit zusammen, dass ich nun vegan esse. Schwierig ist aber folgendes: Ab und an brauche ich es beinahe, mir einfach ein Fertiggericht in den Ofen zu schieben – und fertig. Dass das nicht gesund ist, das ist mir vollkommen klar, aber gerade nach einem langen Tag habe ich manchmal einfach keinen Bock, mich ewig in die Küche zu stellen. Klar, es gibt viele Dinge, die man auch als Veganer schnell zubereiten kann, aber gerade so eine Fertigpizza hier und da würde ich manchmal schon nicht schlecht finden.

Die Lösung: Mittlerweile gibt es doch immer mehr und mehr vegane Fertiggerichte, die sogar wirklich lecker schmecken. Man findet sie zwar nicht in jedem Supermarkt und oftmals sind sie auch etwas teurer, aber wenn man wirklich mal einen richtig, richtig, richtig faulen Tag hat, dann ist man gerne bereit, ein wenig mehr zu bezahlen. Mal davon abgesehen finde ich es gar nicht so schlimm, mit meiner Faulheit konfrontiert zu werden. Ich raffe mich jetzt doch öfter auf, noch etwas zu kochen und lebe auch zwangsläufig gesünder, da ich auf viele der ungesunden Fertigprodukte verzichten muss. Also – im Endeffekt gar kein eigentliches Problem, diese Faulheit.

vegan

02. Essen gehen mit Freunden

Essen gehen ist für mich etwas Soziales. Es macht einfach Spaß, sich mit Freunden zu treffen, einen Kaffee zu trinken oder ein neues Restaurant auszuprobieren. Auch mit meinem Freund gehe ich liebend gerne essen. Natürlich ist es aber Fakt, dass man als Veganer ein bisschen eingeschränkt ist. Nicht jedes Restaurant bietet auch vegane Alternativen an, und genau dann muss man einzelne Zutaten aus Gerichten weglassen, was zwar machbar ist, aber natürlich auch nicht ganz so gut schmeckt. Doch das ist es nicht, was mich stört, damit kann ich leben.

Problematisch finde ich es eher, dass sich die Menschen in meinem Umfeld verpflichtet fühlen, auf mich Rücksicht zu nehmen, dabei muss das oft gar nicht sein. Gerade wenn man unterwegs ist habe ich gar kein Problem damit, auch mal in ein Steak Restaurant zu gehen – dort bestelle ich mir dann eben Pommes und Salat. Dann ernte ich aber oft mitleidige Blicke meiner Begleitung, die ein schlechtes Gewissen hat, weil sie nun ein rießiges, gut duftendes Gericht vor sich hat, während ich an meinem Salatblatt knabbere, um es mal hart auszudrücken. Dabei stört es mich nicht. Klar, ab und an würde ich dann am Liebsten die vegane Ernährung über den Haufen schmeißen und mir ein leckeres Cordon Bleu bestellen, aber ich habe mich bewusst dafür entschieden, mich vegan zu ernähren und bereuhe es auch nicht. Also, viel Wirbel um nichts.

Die Lösung: Offen kommunizieren. Wenn man das Essen gehen plant, dann gibt es oftmals Restaurant, die auch vegane Gerichte auf der Karte haben, was beiden Parteien zu gute kommt und wenn es mal nicht so ist – ok, dann eben nicht. Mein Gegenüber braucht überhaupt kein schlechtes Gewissen haben, wenn ich mal etwas weniger esse oder keine volle Mahlzeit bekomme. Jeder entscheidet selbst, wie er sich ernähren möchte.

03. Immer die selben Fragen

Ich möchte mal kurz eine klassische Situation rekonstruieren.

Ich lege mir ein veganes Schnitzel auf den Grill.

ER: Bist du jetzt etwa auch vegan?

Ich: Ja, bin ich.

ER: Aha. Wieso?

Ich: Weil *diverse Gründe hier einfügen*

ER: Aha ok. Für mich wäre das ja nichts.

Okay, diese Unterhaltung habe ich grob vereinfacht. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass mir immer die selben Fragen gestellt werden, aber niemand die Antwort wirklich hören will. Die meisten fragen einfach nur aus Anstand. Oder weil sie es einfach so gewohnt sind. Typische Fragen wären zum Beispiel „Und wieso bist du jetzt vegan?„, „Was kannst du überhaupt noch essen?“ oder „Fehlen dir da nicht viele Nährstoffe?“ oder meine Lieblingsfrage „Machst du das jetzt weil es Trend ist?“ – Ja logisch. Ich stehe total darauf, meine Ernährung komplett einzuschränken, um mehr Instagram Follower zu bekommen. WTF. Mal davon abgesehen, dass man das ja auch einfach faken könnte.

Gerade die Gründe, wieso ich vegan bin, stoßen eher auf negative Reaktionen. Wenn mich Jemand fragt, dann frage ich mittlerweile gleich nach, ob mein Gegenüber es wirklich hören möchte, denn schnell wird mit dem Klischee um sich geworfen, dass Veganer jedem ihre Meinung aufdrängen wollen. Klar, es gibt solche und solche, aber ich habe in den letzten paar Monaten gemerkt, dass oftmals gezielt danach gefragt wird – also wieso bin ich jetzt noch einmal militant?

Die Lösung: Sich ein dickes Fell zulegen. Wenn man sich vegan ernährt, dann wird man eben oft danach gefragt und dann heißt es eben, dass man die selben Fragen immer und immer wieder beantworten muss. Ist ja auch in Ordnung, ich habe früher auch sehr viele Fragen dazu gestellt – ist schließlich schön, wenn das Interesse vorhanden ist.

vegan

04. Dumme Sprüche

Und hier sind wir bei meinem Lieblingsthema. Ich bekomme nämlich andauernd die selben Sprüche zu hören – und manche davon sind wirklich nervig.

„Wieso heißt das veganer Käse. Es ist einfach kein Käse. Finde dich damit ab, dass Salat nach Salat schmeckt.“

Bei diesem Satz würde ich mittlerweile am Liebsten meinen Kopf gegen die Wand hauen. Bei Nicht-Veganern scheint es nämlich anscheinend ein großes Problem zu sein, dass Lebensmittel aus Tofu oder Soja als „Veganes Schnitzel“ und Co bezeichnet werden. Und das kann ich absolut nicht verstehen. Es geht übrigens auch gar nicht darum, nicht vegane Lebensmittel möglichst echt nachzumachen, mir persönlich geht es bei diesen Dingen eher um das Feeling. Denn ab und an fehlt einem einfach etwas, was man aufs Brot legen kann. Oder man würde gerne seine Mahlzeit überbacken, mit veganem Käse ist das möglich. Mal davon abgesehen gibt es super viele Menschen, die auf tierische Produkte verzichten, weil sie es für das richtige halten, aber den Geschmack von Fleisch und Wurst eigentlich sehr gerne mögen. Also wieso diesen Menschen keine Alternative bieten?

„Ich könnte niemals auf Käse verzichten!“

Ich weiß, dieser Satz ist nicht böse gemeint. Aber mich macht er wahnsinnig. Wieso? Ich habe mich von Käse ernährt. Ernsthaft. Jeden Tag. In meiner Blog-Biografie hatte ich lange stehen, dass ich alles mit Käse überbacke (wer erinnert sich noch?). Ich LIEBE Käse. Beziehungsweise liebte. Denn ich habe mich informiert, habe mir sämtliche Dokus und Berichte reingezogen und kam nunmal zu dem Fazit, dass ich es schlecht finde, tierische Produkte zu essen. Und habe in dem Zuge meinen heißgeliebten Käse aus dem Kühlschrank verbannt. Wenn nun Jemand sagt, dass er niemals auf Käse verzichten könnte und deswegen auch nicht vegan werden kann, dann fühle ich mich, als würde der andere denken, dass es für mich super, super easy war. Was aber nicht stimmt. Ich sehe es irgendwo als Leistung, meine Ernährung umgestellt zu haben, ich bin stolz darauf. Und mit diesem Satz wird irgendwie impliziert, dass es keine Leistung war. Dass ich dafür nicht viel getan habe und es mich keine Willenststärke gekostet hat. Und das finde ich irgendwie einfach schade, auch wenn ich weiß, dass es nicht so gemeint ist.

Die Lösung: Nicht alles nachplappern, was man hört. Es gibt nämlich noch 472094 andere Sprüche, die so kursieren, aber einfach nur gemein oder schlicht und einfach falsch sind.

Mein Fazit:

Was euch bei meinen Punkten vielleicht aufgefallen ist, ist folgendes: Was ich am vegan sein hasse ist nicht unbedingt die Ernährung, sondern das Ganze drum herum. Viele scheinen ja zu denken, dass die Umstellung super schwer ist, man fast nichts essen kann und die Verlockungen einfach zu groß sind. Doch tatsächlich ist das das geringste Problem. Denn all das Halbwissen, die Fragen und der Act, der um das Thema gemacht wird, nerven mich viel, viel mehr.

Früher dachte ich immer, dass Veganer so militant wären. Jedem ihre Ernährung aufdrücken wollen. Doch mittlerweile habe ich die Erfahrung gemacht, dass man bei einer veganen Ernährung nicht unbedingt auf Verständnis trifft und sich permanent rechtfertigen muss. Das ist sehr, sehr schade, denn der Spruch „Leben und leben lassen“ trifft beim Thema Ernährung doch wirklich zu.

You Might Also Like...

8 Comments

  • Reply
    Corinna
    20. November 2016 at 21:39

    Liebe Julia,
    bei deinem Artikel musste ich jetzt mehrmals schmunzeln, weil du es wunderbar auf den Punkt bringst! Seit über drei Jahren ernähre ich mich jetzt, mal mehr mal weniger streng vegan und schlage mich seitdem GENAU damit herum. Was mich am meisten stört, sind tatsächlich hauptsächlich die Diskussionen, Kommentare, die Leute, die meinen, ich bin doch eh grad nur trendy etc. ohne sich intensiv damit beschäftigt zu haben. Und wenn ich für den Satz „aber Käse schmeckt einfach zu gut“ jedes Mal nen Euro bekäme…du weißt schon. (-;
    Naja, und auch bei mir kommt ziemlich oft diese garstige Faulheit durch. Mist. XD Aber ich mach trotzdem weiter und finde es fein, dass du das offenbar genau so handhabst.
    Viele liebe Grüße,
    Corinna
    http://www.kissenundkarma.de

  • Reply
    Sabine
    20. November 2016 at 21:49

    Der Eintrag macht mich ein bisschen traurig :( Obwohl du wirklich gut damit umgehst, verstehe ich einfach nicht, wieso andere Menschen oft solche Miesepeter sein müssen. Neugier ist ja schön und wichtig (wenn auch sicher anstrengend), aber dieses Pessimistische und der Drang, einerseits sich selbst zu rechtfertigen warum man es nicht tut, und andererseits den der es tut zu kritisieren oder bagatellisieren… WARUM SO DESTRUKTIV?! Ich finde jedenfalls, du bist eine tolle Inspiration und solltest so weitermachen!
    xx
    Sabine

  • Reply
    Sarah
    21. November 2016 at 0:26

    Sind zwar die Standardprobleme aber trotzdem eine getroffene Zusammenfassung ^^

  • Reply
    Feli
    21. November 2016 at 15:55

    Ich mache derzeit dieselben Erfahrungen wie du :( Liebe Grüße, Feli von http://www.felinipralini.de

  • Reply
    Tabea
    21. November 2016 at 21:01

    Also den ersten Punkt kann ich voll nachvollziehen. Ich versuche ja, mich möglichst ohne Zucker, Geschmacksverstärker und Konservierungsstoffe zu ernähren… und daher kaufe ich gar keine Fertigprodukte mehr. Manchmal brauche ich aber trotzdem dieses „Tiefkühlpizza“-Feeling. Deswegen habe ich mir einige Portionen Essen eingefroren: selbstgemachte Pizza (zwei Bleche machen kaum mehr Arbeit als eins und man hat dann genug fertige Pizza zum Aufbacken für eine Weile), Suppe, Waffeln,… Das kann ich dir also auch als Alternative empfehlen ;)

    Mit dem zweiten Punkt habe ich ja schon als Vegetarierin meine Probleme, denn hier auf dem Land bieten viele Restaurants maximal zwei vegetarische Gerichte an. Und Eier esse ich auswärts ja auch nicht… aber man gewöhnt sich dran, und ich hasse es auch mehr, dass sich die anderen schuldig fühlen, als dass ich unter der Auswahl leide…

    Also wenn ich jemanden frage, warum er was macht, dann interessiere ich mich auch dafür! Aber dafür wirke ich eben auch manchmal uninteressiert / unhöflich, weil ich keine Nachfragen anstelle ;)

    Es freut mich echt, dass du trotz dieser Dinge deine Umstellung nicht bereust! :) Hauptsache, du weißt, dass du für dich das Richtige tust!

    Liebe Grüße

  • Reply
    Svenja
    22. November 2016 at 9:26

    Genau das ist das Problem. Das Umfeld macht es einem schwer. Ich ernähre mich vorwiegend vegetarisch, aber versuche immer mehr vegan mich zu ernähren. Ein paar Monate hielt ich es gut durch. Aber die Faulheit ist auch bei mir ein Thema. Am meisten nerven mich Menschen, die Veganern und Vegetariern alles vermiesen. Manche verstehen die Gründe warum ich keine Massentierhaltung unterstütze, auf den Markt gehe und eher regionale Produkte kaufe etc aber einigen ist eben sowas egal. Ich bin mit der Ernährung umgestiegen weil ich weiß wie schlecht man Tiere behandelt und was sie zu essen bekommen usw…es gibt viele Gründe. Schade, dass viele vegan und vegetarisch als Trend abtun. Dabei gibt es beides schon seit Ewigkeiten. Und es wäre schön in Hamburg zB mehr Vegane gute Restaurants zu finden. Die Kunst ist es ein Veganes Gericht ohne Tofu perfekt zu zubereiten. Bisher mein Favo das Kopps in Berlin. I g habe noch nie soooo gut vegan gegessen. Ich vermisse diese Küche.
    Liebe Geüsse,
    Svenja

  • Reply
    Jasmin
    22. November 2016 at 18:32

    Wieder mal ein sehr schöner ehrlicher Text von dir! Besonder die Stelle “ Mal davon abgesehen, dass man das ja auch einfach faken könnte.“ IM INTERNET KANN MAN ALLES FAKEN!!! Weiß ich ob du wirklich so aussiehst wie du aussiehst? Nur um es mal dumm auszudrücken :D aber nein, ich vertrau dir das du ehrlich bist, dir gegeüber und uns Lesern gegenüber. Fand den Artikel wirklich klasse! Ich bin zwar nicht Vegan oder Vegetarier, aber esse sehr wenig Fleisch, gerade jetzt wo ich frisch umgezogen bin, habe ich bisher 1 mal Fleisch gekocht, für meinen Freund (alle sagen immer wie arm er ist weil ich nur vegetarisch für ihn koche ABER ER BESCHWERT SICH NICHT bzw könnte es ja selbst ändern wenn er wollte) und wenn ich Zuhause bei meinem Dad bin, dann verfalle ich auch manchmal dem Fleisch/Wurstwahn haha :D bin bei Sucuk einfach schwach geworden… aber das ist ja völlig legitim! Mich nervt, auch als Flexitarier, so nennt man glaube ich meinen Ernährungsstil, auch am meisten die Kommentare der anderen! Deswegen: surround yourself with good people! :) davon gibts genug – man muss sie nur finden!

    Liebste Grüße <3
    deine Jasmin

  • Reply
    Isabelle
    27. Dezember 2016 at 6:44

    Regarding the whole NCAA Violations matter, I truly think that the NCAA needs to either be more efficient – and thereby more of a martinet – or become more realistic in their evaluations. While I have absolutely no use for the likes of &#t2l0;Ca2-8he-Lip”, this current Bledsoe thingy is a waste of time, money, and newspaper ink … The NCAA ought to simply follow the olde adage of “Follow the Money” !!! No $$$, no violation … By $$$ I mean the disbursement of anything by anyone (school, booster, or supplier) to anyone associated with the kid !!!Seems pretty simple and realistic to me !!!

  • Leave a Reply

    %d Bloggern gefällt das: