Lookismus

Body Shaming – Ich habe die Nase voll

Derzeit brodelt es nur so in meinem Kopf. Ich habe so viele Ideen, die ich umsetzen möchte und Themen, die mich beschäftigen, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Dazu gehört es auch, mit euch über Body Shaming zu reden. Ich habe das lange vor mir her geschoben, da es dazu schon unzählige Artikel und Meinungen gibt. Doch trotzdem ist es nunmal super präsent und auch mich bewegt dieses Thema wirklich sehr. Euch auch?


Body Shaming – Ich habe die Nase voll

Ich drehe mich vor dem Spiegel hin und her. In dieser Hose sehe ich wirklich dick aus. Sie betont meine Oberschenkel schon sehr. Auch wenn ich den Stoff und den Sitz der Jeans sehr mag, so kann ich ja wirklich nicht aus dem Haus gehen. Außerdem sieht dazu ja eh nur ein Top gut aus – und Tops trage ich nicht, weil meine Arme so schwabbelig sind. Also dann doch wieder die schwarze Jeans anziehen, die macht wenigstens schlank..

Die Rolle der Medien

Ich möchte jetzt auch gar nicht mehr lange darüber reden, wie Instagram und Co. uns ein Bild von perfekten Körper in den Kopf setzen und dass das ein großer Grund dafür ist, dass wir alle so unzufrieden sind. Das ist uns allen wohl ziemlich bewusst, oder? Aber kann man sich denn überhaupt irgendwie dagegen wehren, wenn man trotzdem auf Social Media aktiv sein möchte? Wie bekommt man diesen Gedanken denn wieder aus dem Kopf, wenn er sich schon ein mal eingenistet hat?

Die perfekte Figur

Schlanke, lange Beine, Tigh Gap, eine schmale Taille und dabei bitte nicht zu kleine Brüste. Dazu lange, glänzende Haare und die perfekte Haut – und das bitte alles sofort. So oder so in etwa sieht die „perfekte Figur“ heutzutage aus. Und ich will auch so aussehen. Meine Oberschenkel sind allerdings weit vom Ideal entfernt, auch mein Buch zeigt mir deutlich, wie sehr ich es liebe zu essen und wie ungern ich Sport mache. Also habe ich mich in den letzten paar Jahren immer wieder versucht, dazu aufzuraffen, fitter zu werden. Sei es durch Diäten, Ernährungsumstellungen oder einem regelmäßigen Sport Programm. Und meine Güte, habe ich mich dafür verbogen.

Wenn deine Figur dein Leben kontrolliert

Body Shaming verleitet uns dazu, unser Aussehen ganz oben auf die Prioritäten-Liste zu setzen. Wenn wir zugenommen haben, dann fühlen wir uns schlecht. Wenn wir abgenommen haben, dann sind wir unzufrieden, weil immer noch kein Ende in Sicht ist. Und wenn wir ein Ziel erreicht haben, dann entdecken wir etwas anderes an uns, das nicht dem Ideal entspricht. In einer Doku habe ich ein mal den Satz gehört „Wenn Frauen die selbe Zeit, die sie in ihr Aussehen investieren, in ihre Bildung investieren würden, dann wären sie vielleicht klüger„. Klingt hart, aber irgendwie ist dieser Satz bei mir hängen geblieben, wie ich euch schon in meinem Post über Lookismus erzählt habe.

Dabei vergessen wir jedoch eine wichtige Sache:

Ich bin gesund. Ich habe kein Übergewicht und kein Untergewicht. Mein Körper ist im Normalbereich. Und trotzdem fühle ich mich nicht gut genug. Ist das nicht bescheuert? Ich koche hauptsächlich frisch und gesund, ich esse kaum Fertiggerichte, trinke nicht übermäßig Alkohol, nehme keine Drogen. Psychisch geht es mir auch viel besser, als noch vor ein paar Jahren. Es ist alles gut. Nur ich selbst habe dieses kleine perfekte blonde Vorzeige-Model in meinem Kopf, das mir sagt, dass ich an mir arbeiten muss.

Also – Was tun wir gegen Bodyshaming?

Melanie hat mir da letztens einen guten und sehr simplen Tipp gegeben. Wir selbst bestimmen, was wir uns online ansehen. Und daraufhin habe ich meinen Instagram Feed ausgemistet. Ich habe viele der Fahsion-Mädels heraus geschmissen, die mir dauernd Outfits, Selfies und ihre Shopping Ausbeuten gezeigt haben. Ich habe Supermodels deabonniert, die mich nur neidisch gemacht haben. Stattdessen befinden sich in meinem Facebook Feed nun viele Online Magazine, die sich mit Gesellschaftskritik, dem Frauenbild und auch Feminismus befassen. Und halleluja, es geht mir viel besser!

Bin ich schon am Ziel angelangt?

Nein, definitiv nicht. Ich bin immer noch das Mädchen, das sich am Liebsten in ihrer schwarzen Jeans und dem oversized Sweater versteckt, weil es Angst hat, dass man eine Speckrolle sehen könnte. Aber ich bin auf einem guten Weg. Ich habe nicht mehr das Bedürfnis, mich schlank zu hungern und wenn ich Bock darauf habe, 500g Nudeln in mich heinein zu stopfen, meine Güte, dann tue ich das. Natürlich heißt das nicht, dass man nachlässig werden sollte. Gerade Geusndheit ist schließlich super wichtig und ich kann es auch nicht gut heißen, sehr, sehr übergewichtige Menschen mit einem „du bist schön so wie du bist, nehm bloß nicht ab“ abzuspeisen. Denn Übergewicht hat schließlich viele gesundheitliche Risiken. Aber gerade, wenn man so wie ich eigentlich Normalgewicht hat, dann sollte man vielleicht endlich lernen, sich so zu lieben, wie man ist. Und wenn man dann abnehmen möchte, sportlicher werden möchte, dann sollte man es für sich selbst tun. Und für Niemanden sonst.

Wenn ich nun also Lust habe, Sport zu machen, dann mache ich Sport. Wenn mein Körper sich schlecht und vollgestopft fühlt, dann mache ich etwas Detox. Ich versuche, auf meinen Körper zu hören und das zu tun, was mir auch wirklich gut tut. Und auch wenn ich mich noch nicht komplett liebe und immer noch nicht im Top herum laufen würde – ich befinde mich auf dem Weg der Besserung. Und genau das wollte ich in diesem Post mit euch teilen!

Habt ihr Erfahrungen mit Body Shaming? Dann schreibt sie mir. Ich bin gespannt, was ihr zu berichten habt!

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13 Comments

  • Reply
    Julia
    29. Dezember 2016 at 17:25

    Ich glaube, dass es generell nicht so leicht ist, mit sich und seinem Körper zufrieden zu sein. Schließlich wird einem ständig überall unter die Nase gerieben, wie viel toller andere Leute sind. Aber genauso wie du schau ich mir nicht ständig irgendwelche Supermodels an und vergleiche mich mit ihnen. Ich versuche mich so zu akzeptieren, wie ich bin. Und seitdem ich daran arbeite, fühle ich mich schon viel wohler – genauso, wie du es auch berichtet hast…

    • Julia
      Reply
      Julia
      31. Dezember 2016 at 0:54

      Dass das nicht von heute auf morgen funktioniert ist ja auch irgendwie logisch, schließlich kriegen wir dieses Frauenbild jahrelang in unseren Kopf getrichtert. Aber hey, step by step! :)

  • Reply
    Monique
    29. Dezember 2016 at 19:03

    Hi Julia,
    ich finde es gut, dass du dir dieses Thema für den Post vorgenommen hast.
    Denke, der Text spricht für sich:)
    LG, Monique

    • Julia
      Reply
      Julia
      31. Dezember 2016 at 0:54

      Danke Monique!

  • Reply
    Corinna
    29. Dezember 2016 at 21:35

    Hey Julia
    Das klingt nach einer sehr gesunden Einstellung generell. Niemand ist perfekt und gerade wenn man Normalgewicht hat, sollte man echt versuchen, sich selbst so schön zu finden wie man ist. Aber ich glaub jeder hat so einen kleinen Teufel im Kopf, der einen manchmal etwas unnötig verrückt macht.
    Liebe Grüße
    Corinna
    http://www.kissenundkarma.de

    • Julia
      Reply
      Julia
      31. Dezember 2016 at 0:55

      Hallo Corinna,

      leider wahr, leider wahr.
      Aber wenn man von der Existenz dieses kleinen Teufels weiß, dann ist das ja schon mal ein Schritt in die richtige Richtung :D

      Liebe Grüße!

  • Reply
    Anna
    30. Dezember 2016 at 9:40

    Das ist ein wunderbarer Vorsatz für 2017 <3 Ich glaube, jeder vergleicht sich immer wieder mit anderen – und das ist ja auch nicht gleich schlimm, sondern irgendwie ganz natürlich. Aber wenn es um unseren Körper geht, verschwimmen hier Wirklichkeit und die Instagram-/Medien-Welt leider sehr schnell. Ich glaube, dafür ist dein Ansatz genau der richtige!
    Ich habe mir das Löschen von bestimmten Accounts auch vorgenommen, aber mehr in Bezug auf Fair Fashion, bewusstes Shoppen, etc.: Vielleicht gelingt mir das Ganze leichter, wenn ich mich auch auf Instagram von Leuten inspirieren lasse, die auf bewusstes/faires Shopping wert legen….
    Ganz liebe Grüße und einen guten Rutsch ins neue Jahr! :)

    • Julia
      Reply
      Julia
      31. Dezember 2016 at 0:57

      Hallo Anna,
      das finde ich toll! Bin schon gespannt, in welche Richtung es bei dir gehen wird, vor allem, da ich mich ja derzeit auch mit solchen Themen beschäftige :)

      Langsam wird es einfach Zeit, dass wir einen Kaffee trinken gehen!

  • Reply
    Onkel Horst
    30. Dezember 2016 at 9:53

    Ich finde mich schön. Diesen Satz zu sagen ohne in sich in einem Nebensatz dafür in irgendeiner Weise zu rechtfertigen, fällt schwer. Mal von den ‚idealen‘ die man im Netz um die Ohren geknallt bekommt, ist es meiner Meinung nach deswegen schwer sich auch mal selbst öffentlich ein Kompliment zu machen, der Tatsache geschuldet dass man nicht anecken möchte. Aus Rücksicht auf andere oder aus mangelndem Selbstbewusstsein.

    • Julia
      Reply
      Julia
      31. Dezember 2016 at 0:58

      Finde es nach wie vor schön, dass du das so einfach kannst.
      Ich glaube, da hast du einigen etwas vorraus!

  • Reply
    Jenni
    30. Dezember 2016 at 14:03

    Liebe Julia!

    Ich glaube, du hast das beste getan, was du tun konntest: Dich von den Bildern befreien, die sowieso eine Welt repräsentieren, die nicht die des Durchschnittsmenschen ist und hinter der herzulaufen nur müßig wäre. Dafür hat du dir die Welt herangeholt, die dich wirklich betrifft und über die du dir wirklich Gedanken machen kannst, was dich wiederum persönlich weiterbringt. Besser kann man es wahrscheinlich gar nicht machen.

    Ansonsten kann ich nur sagen: Ich kann mich (wie viele hier wahrscheinlich ebenfalls) in deinen Ausführungen wiederfinden, in den Zweifeln und dem Kritisch-Sich-Beäugen. Kritik an einem selbst ist natürlich auch wichtig, aber wir haben die Angewohnheit, dass sie schnell überhand nimmt und zur permanenten Selbstdenunziation vor einer wie auch immer definierten Meta-Instanz wird. Daran zu arbeiten, wäre auch ein toller Vorsatz für das neue Jahr. :)

    Liebe Grüße
    Jenni

    • Julia
      Reply
      Julia
      31. Dezember 2016 at 0:59

      Hallo Jenny,

      Mensch vielen Dank für dein liebes Kommentar! Es ist wirklich toll zu wissen, dass man mit seinen Gedanken da nicht alleine ist.
      Ich hoffe, wir beide werden unseren Weg zur vollkommenen Akzeptanz finden ;)

      Liebe Grüße an dich!

  • Reply
    bknicole
    1. Januar 2017 at 23:43

    Ein sehr schöner Text. Ich glaube es fällt wirklich jeder Frau schwer ihren Körper zu akzeptieren, denn wie du schon sagtest: die Medien vermitteln uns ein Schönheitsideal, das wirklich zweifelhaft ist. Eines, in dem Perfektion im Mittelpunkt steht und jeder am besten die Mape 90-60-90 besitzt. In meiner Jugend hatte ich auch Probleme, mich so zu akzeptieren wie ich bin, mittlerweile bin ich aber stolz auf meine Kurven und das ich ein normales Gewicht habe. Alles andere ist einfach nur ungesund. Von Diäten halte ich eh nichts. Ich finde da gesunde Ernährung auch viel wichtiger und das man regelmäßig Sport treibt und sich ab und an auch mal was gönnt. Komplett auf Süßes könnte ich nie verzichten und warum sollte ich auch, dass macht ja auch glücklich und wenn man es in Maßen ist, verhindert man dann auch die große Fressattacke.

    Ansonsten gibt es natürlich auch immer mal ein paar Tage, wo ich in den Spiegel schaue und unzufrieden bin, aber so lange die in der Minderheit sind, ist für mich alles okay. Dein Tipp den Instagram Feed einfach mal zu überarbeiten finde ich super, denn man kann da ziemlich gut selbst entscheiden, welches Schönheitsideal einem da täglich begegnet. Zumal man ja auch immer im Hinterkopf behalten sollte, wie gestellt, inzeniert und wie stark manche Promi Bilder bearbeitet werden. Selbst bei Bildern für Instagram benutzen ja einige Promis Photoshop und machen sie dünner, als sie eigentlich sind.

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